Mal mitgemacht haben müssen

08Jul08

es gibt dinge, da dachte ich, die muss man nicht erlebt haben. warum auch? klingt vom hörensagen schon nach verdammt viel stress. hausgemacht. muss doch nicht sein. alles eine frage des selbstmanagements. timemanagement. eigener antrieb. rechtzeitig anfangen. wer so viel zeit und so wenig zu tun hat, der sollte eigentlich in der lage sein, eine solche aufgabe aus dem handgelenk zu schütteln.

tja, dachte ich. aber irgendwann war es dann doch so weit. die abgabefrist der seminararbeit rückt näher und näher. da bleibt man natürlich locker. ist ja nicht die erste. hat bisher immer geklappt, warum also nicht auch diesmal? ist ja auch das wichtigste, i m m e r  s c h ö n  l o c k e r  b l e i b e n. wenn man dann 24 stunden vorher feststellt, das wird so nichts, dann hat man ein problem. denn dann zählt jede minute. dann fragt man sich doch, wohl zu locker geblieben. vielleicht doch einmal mehr etwas tun sollen als feeds zu lesen. also fängt man an und macht die nacht durch. und diese ganzen kleinigkeiten, die man in maximal drei stunden machen wollte, die werden so groß, dass die verbleibende zeit schneller verrinnt als man gehofft hatte. den leuten den man eben noch gute nacht gesagt hat, sagt man guten morgen. man verlässt kurz das zimmer zur nahrungsaufnahme und stellt fest, draußen ist es hell. schnell zurück ins kämmerlein, wo der rollladen unten ist und nur die schreibtischlampe nebst bildschirm das zimmer ehellt. die übrigen personen verlassen das haus, man selbst macht einfach weiter. immer weiter.

nun hatte ich nicht etwa faul auf der haut gelgen, nein, ich hatte einfach für ein viertel der arbeit schon dreiviertel der seiten geschrieben. ordentliche recherche für die anderen kapitel? das hat man schon zwei tage vorher festgestellt, das muss so reichen. von formatierung und literaturverzeichnis kann keine rede sein, das gehört schließlich auch zu den dingen, die man in den drei stunden kleinkram zusammenschustert. dann beginnt das lustige rumlöschen von absätzen, die wohl doch nicht sein müssen. und wenn man das dann nach 28 stunden vor dem rechner sitzend macht, dann wird es einem herzlich egal. aus dem zusammenhang gerissen, egal. da muss noch eine literaturquelle im verzeichnis sein, die du gar nicht mehr verwendest. egal. die formatierung entspricht nicht den vorgaben. egal. hier sehr viel geschrieben, da sehr wenig. egal. für alle anderen auch ein exemplar ausdrucken. keine zeit, folglich egal. das ding muss nur noch aus dem haus, e g a l  wie. dann druckt man die hütte noch aus, heftet sie lieblos zusammen, setzt sich nach 32 stunden vor dem rechner ins auto und wirft das gerät schließlich in den kasten des lehrstuhls. der betreuer ist längst im wochenende und das gebäude schließt in genau acht minuten. e g a l.

und wenn man dann nach ein paar wochen gesagt bekommt, dass das ja ganz gut war und die ganzen kleinigkeiten bei weitem nicht so schlimm sind, wie man sich das in seinem stillen kämmerlein des nachts ausgemalt hatte, dann denkt man, ach, war doch gar nicht so schlimm. muss man mal mitgemacht haben.

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One Response to “Mal mitgemacht haben müssen”

  1. 1 Moe

    Good Job!
    *thumbs up*


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